Über das Multiple Myelom

Wie entsteht ein
Multiples Myelom?

Das Multiple Myelom, auch Morbus Kahler genannt, ist eine Form von Knochenmarkkrebs, der das Immunsystem betrifft, und seinen Ursprung in bestimmten weißen Blutkörperchen, den sog. Plasmazellen hat. Diese Zellen kommen vor allem im Knochenmark vor, und sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems, da sie die verschiedenen Antikörper produzieren, mit denen der Körper Infektionen bekämpft.1

 

Beim Multiplen Myelom sind manche der Plasmazellen geschädigt und werden zu Krebszellen, die man Myelomzellen nennt.1 Nun produzieren diese beschädigten Zellen anstelle der normalen Antikörper eine große Menge eines einzigen Antikörpers, der als Paraprotein oder auch M-Protein bezeichnet wird. Dieser Antikörper hat jedoch keine Funktion im Körper.1 Im Laufe der Zeit vermehren sich die Myelomzellen immer weiter und breiten sich in den Knochen aus. Damit verdrängen Sie die gesunden Plasmazellen, die ihre Funktion nicht mehr erfüllen können. Dies führt dann zu den Symptomen eines Multiplen Myeloms.1

 

Ein Multiples Myelom liegt definitionsgemäß dann vor, wenn die Zahl der Plasmazellen im Knochenmark mehr als 10% beträgt. Zwei Sonderformen des Multiplen Myeloms sind das Plasmozytom und das Smoldering („schwelende“) Multiple Myelom. Beim Plasmozytom kommen die Myelomzellen nur in einem einzigen Tumorherd in einem Knochen vor. Die Therapie des Plasmozytoms unterscheidet sich von der des Multiplen Myeloms dadurch, dass es mit Bestrahlung behandelt wird und nicht mit Medikamenten. Das Smoldering Multiple Myelom ist eine Vorstufe des Multiplen Myeloms, bei der noch keine der für das Multiple Myelom typischen Krankheitszeichen auftreten.1

Über das Multiple Myelom
Über das Multiple Myelom
Über das Multiple Myelom

Die eigentliche Ursache, warum sich ein Multiples Myelom entwickelt, ist noch nicht genau erforscht. Man geht heute davon aus, dass dabei sowohl Umweltfaktoren als auch Veränderungen in den Genen eine Rolle spielen.1

Über das Multiple Myelom

Wer erkrankt an einem
Multiplen Myelom?

Das Multiple Myelom ist zwar eine eher seltene Krebserkrankung, aber es ist die häufigste Form von Knochenmarkkrebs.1
Weltweit leben etwa 750.000 Menschen mit dieser Erkrankung.2

 

Fakten über das Multiple Myelom:

  • Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) erkrankten im Jahr 2018 in Deutschland 3.600 Männer und 2.900 Frauen an einem Multiplen Myelom.3
  • In Deutschland liegt das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen bei 72 Jahren und bei Männern bei 74 Jahren.3
  • Männer haben ein höheres Risiko an einem Multiplen Myelom zu erkranken als Frauen.2
  • Die Zahl der weltweit auftretenden Neuerkrankungen hat sich zwischen 1990 und 2016 mehr als verdoppelt.4
  • Heute wird weltweit jedes Jahr bei ca. 160.000 Menschen ein Multiples Myelom neu diagnostiziert.5

Wer erkrankt an einem
Multiplen Myelom?

Das Multiple Myelom ist zwar eine eher seltene Krebserkrankung, aber es ist die häufigste Form von Knochenmarkkrebs.1
Weltweit leben etwa 750.000 Menschen mit dieser Erkrankung.2

 

Fakten über das Multiple Myelom:

  • Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) erkrankten im Jahr 2018 in Deutschland 3.600 Männer und 2.900 Frauen an einem Multiplen Myelom.3
  • In Deutschland liegt das mittlere Erkrankungsalter bei Frauen bei 72 Jahren und bei Männern bei 74 Jahren.3
  • Männer haben ein höheres Risiko an einem Multiplen Myelom zu erkranken als Frauen.2
  • Die Zahl der weltweit auftretenden Neuerkrankungen hat sich zwischen 1990 und 2016 mehr als verdoppelt.4
  • Heute wird weltweit jedes Jahr bei ca. 160.000 Menschen ein Multiples Myelom neu diagnostiziert.5
Über das Multiple Myelom

In den letzten Jahren wurden sowohl bei der Behandlung als auch bei der Diagnostik des Multiplen Myeloms enorme Fortschritte erzielt. Dank intensiver Grundlagenforschung und darüber hinaus in klinischen Studien mit Medikamenten konnten in den letzten zwei Jahrzehnten mehrere Medikamente entwickelt werden. Während vor 20 Jahren nur 3 Wirkstoffe für die Therapie des Multiplen Myeloms zur Verfügung standen, gibt es heute zahlreiche Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffklassen. Dadurch haben sich die Behandlungsmöglichkeiten von Betroffenen deutlich verbessert.6

Symptome die auf ein Multiples
Myelom hinweisen können

Das Multiple Myelom kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Diese können bei jedem Betroffenen sehr unterschiedlich sein. Frühe Krankheitszeichen sind Knochenschmerzen, häufige Infekte, extreme Erschöpfung und Nierenprobleme, die sich zum Beispiel als Wassereinlagerungen (Ödeme) bemerkbar machen. Dazu kommen weitere unspezifische allgemeine Krankheitszeichen, die auch anderen Erkrankungen zuzuordnen wären.3,7 Das macht die Diagnose teilweise schwierig und oft sind mehrere Arztbesuche notwendig, bis die Diagnose eindeutig feststeht.

 

Viele Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Knochenschmerzen. Betroffen sind meist die Wirbelsäule, der Brustkorb einschließlich der Rippen.1,3

Die häufigsten Hinweise auf ein Multiples Myelom

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Knochenkomplikationen1

  • In erster Linie Knochenschmerzen
  • Unerwartete Knochenbrüche (ohne ein Ereignis)
  • Durst, Übelkeit, Erbrechen, Verwirrtheit, Verstopfung  (bedingt durch einen erhöhten Kalziumspiegel im Blut)
     
Über das Multiple Myelom

Geringe Zahl an roten und/oder weißen Blutzellen1

  • Erschöpfung und ständige Müdigkeit (sog. Fatigue)
  • Niedrige Zahl roter Blutkörperchen (sog. Anämie)
  • Infektanfälligkeit
     
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Nierenschäden1

  • Verminderte Urinausscheidung
  • Wasseransammlungen in den Beinen und Gelenken
  • Störungen des Bewusstseins, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit
  • Übelkeit
     
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Allgemeinsymptome7

  • Nachtschweiß
  • Abgeschlagenheit und Erschöpfung
  • Gewichtsverlust
     

Wie wird das Multiple Myelom
diagnostiziert?

Da das Multiple Myelom oft sehr unspezifische Krankheitszeichen zeigt, kann es manchmal eine gewisse Zeit und einige Arztbesuche dauern, bevor die Symptome wie Rückenschmerzen oder Müdigkeit richtig gedeutet werden und die Diagnose Multiples Myelom feststeht.3 Ärzte aus dem Bereich der Inneren Medizin, die sich auf das Gebiet der Bluterkrankungen und so auch auf die Behandlung des Multiplen Myeloms spezialisiert haben, werden als Hämatologen bezeichnet. Wenn der Verdacht auf ein Multiples Myelom besteht, werden Sie zu diesen Spezialisten überwiesen. Um die Diagnose Multiples Myelom endgültig zu stellen oder auszuschließen, sind - ergänzend zur Befragung durch den Arzt nach Ihren spezifischen Krankheitszeichen - spezielle Laboruntersuchungen erforderlich.1

Untersuchungen zur Bestätigung der Diagnose eines Multiplen Myeloms

Falls bei Ihnen der Verdacht auf ein Multiples Myelom besteht, sind verschiedene Untersuchungen notwendig, um die Diagnose zu bestätigen. Dazu gehören die körperliche Untersuchung, Labortests (Blut und Urin), Röntgen der Knochen, Knochenmarkpunktion. Auch weitere Untersuchungen wie eine Kernspintomographie oder eine Computertomographie können gegebenenfalls erforderlich sein.

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Knochenmarkuntersuchungen3 

  • Knochenmarkaspirat:
    Hierunter versteht man die Entnahme von flüssigem Knochenmark, in der Regel aus dem hinteren Beckenknochen. Die Entnahme erfolgt mittels einer Spezialnadel in örtlicher Betäubung.

  • Knochenmarkbiopsie:
    Die Knochenmarkbiopsie dient der Entnahme einer kleinen Knochenmarkprobe zur weiteren Untersuchung. Die Entnahme erfolgt in der Regel mittels einer Hohlnadel unter lokaler Betäubung.
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Bildgebende Untersuchungen1

 

Durch diese Untersuchungen kann der Arzt geschädigte Knochenbereiche (sog. lytische Läsionen) erkennen. In der Regel werden mehrere Röntgenaufnahmen angefertigt. Darüber hinaus können durch weitere bildgebende Verfahren noch mehr Details detektiert werden.3

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Laboruntersuchungen und Eiweißelektrophorese1,2,6

 

Zur Abklärung der Diagnose Multiples Myelom werden Laborwerte aus Blut und Urin bestimmt. Auch im Verlauf der Erkrankung ist die Bestimmung dieser Werte notwendig, um den Verlauf der Erkrankung zu überwachen.1 Neben der Bestimmung der Anzahl roter Blutkörperchen, der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen und verschiedenen Urintests spielt die so genannte Eiweißelektrophorese eine wichtige Rolle. Die Eiweißelektrophorese ist eine Technik der Labormedizin, bei der die Bluteiweiße getrennt werden, sodass der Arzt sehen kann, in welchen Mengen die einzelnen Eiweiße im Blut vorkommen. Diese Untersuchung ist sehr wichtig, da mit ihr die Menge des Paraproteins (M-Protein) bestimmt werden kann. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Bestimmung des M-Gradienten.3

Paraprotein-Spiegel (M-Protein):3

  • Beim Multiplen Myelom wird eine zu große Menge des Eiweißes Paraprotein (auch M-Protein genannt) produziert. Mittels der Eiweißelektrophorese kann bestimmt werden, wie viel Paraprotein im Blut vorhanden ist.

Detektion freier Leichtketten im Serum:3

  • Dieser Test ist wichtig für die Diagnose einer spezifischen Art des Multiplen Myeloms, bei der kein Paraprotein nachgewiesen werden kann.
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Großes Blutbild:3

  • Bestimmung der Anzahl roter Blutkörperchen, um zu beurteilen, ob eine Anämie vorliegt.
  • Bestimmung der Anzahl weißer Blutkörperchen zur Beurteilung des Infektionsrisikos.
  • Bestimmung der Anzahl der Blutplättchen zur Beurteilung des Risikos für Blutungen oder Blutergüsse.

Blut- und Urintests:3

  • Bestimmung von Beta-2-Mikroglobulin (β2M), ein Protein, das sich auf der Oberfläche nahezu aller Zellen befindet. β2M ist beim Multiplen Myelom erhöht und einer der wichtigsten Indikatoren für das Ausmaß als auch die Aktivität der Erkrankung.
  • Bestimmung von Kreatinin und Harnstoff. Diese zwei Moleküle können im Urin bestimmt werden und zeigen, wie gut die Nieren arbeiten.
  • Bestimmung von Albumin, dem mengenmäßig häufigsten Protein im Blut. Die Albuminkonzentration ist bei einem Multiplen Myelom oftmals vermindert.
  • Bestimmung von Kalzium, das beim Multiplen Myelom aufgrund der Knochenerkrankung (Abbau der Knochensubstanz) oft erhöht ist.

Stadieneinteilung des
Multiplen Myeloms

Im Rahmen der Diagnosestellung wird Ihr Arzt das Stadium der Erkrankung bestimmen. Anhand des Stadiums kann Ihr Arzt abschätzen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Hiervon hängen die Behandlung und auch die Prognose ab. Die Einteilung erfolgt dabei in die Stadien I bis III.

 

Die Stadieneinteilung basiert auf der Menge zweier Eiweißarten, die in Ihrem Blut vorkommen. Es handelt sich um β-2-Mikroglobulin (β2M) und Albumin, deren Konzentrationen mittels eines Bluttests ermittelt werden. Je höher die Konzentration dieser beiden Eiweiße in Ihrem Blut, desto fortgeschrittener ist auch das Stadium des Multiplen Myeloms.3

Welche Myelomtypen gibt es?

Neben dem Stadium bestimmt Ihr Arzt auch, welcher Myelom-Typ bei Ihnen vorliegt. Dies hängt davon ab, welchen Paraprotein-Typ die Myelomzellen bei Ihnen produzieren. Mit 80% am häufigsten liegt das Paraprotein als ganzes Immunglobulin G (IgG) oder Immunglobulin A (IgA) vor, entsprechend wird das Multiple Myelom als IgG- oder IgA-Myelom bezeichnet. Viel seltener sind die Myelom-Typen IgD, IgE oder IgM.3 Bei 20% der Patienten liegt ein sog. Leichtkettenmyelom vor, bei der nur bestimmte Bruchstücke des Paraproteins, sog. Leichtketten, produziert werden.3 Diese Leichtketten lassen sich auch im Urin nachweisen und werden als Bence-Jones-Proteine bezeichnet.3